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  © Frank Ziemann  –  Update: 02.09.2009
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Extra-Blatt (19.06.03)

Hoax / Urban Legend: Warnung vor
angeblich krebserregendem Sodium Lauryl Sulfat

Websites und Kettenbriefe verbreiten allerlei Unsinn, teils mit Absicht

Im Internet finden sich immer wieder Warnungen vor angeblich gesundheitsgefährdenden Stoffen, die z.B. in Nahrungsmitteln oder Kosmetika enthalten sein sollen [3]. Vieles davon ist schlicht nicht richtig oder weit übertrieben. Das soll nicht heißen, dass die besagten Stoffe in jedem Fall völlig unbedenklich sind. Es gilt jedoch zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden.

Eine Gruppe von Substanzen, die teils zu Unrecht verteufelt werden, sind die Laurylsulfate.
In vielen Reinigungsprodukten, von Shampoo bis Putzmittel, sind sie als so genannte Detergentien enthalten, d.h. sie setzen die Oberflächenspannung des Wassers herab. Man findet auf den Verpackungen meist Angaben wie "Sodium Lauryl Sulfate" (SLS) oder "Sodium Laureth Sulfate" (SLES), die auf diese Substanzgruppe hinweisen.

Ein wenig Chemie: 
Das englische Sodium steht für Natrium, es handelt sich dann also im Falle von SLS um einen Schwefelsäureester des Laurylalkohols bzw. um dessen Natriumsalz (daher: Natriumlaurylsulfat). Bei SLES handelt es sich hingegen um Natriumlauryldiethoxysulfat, d.h. die Kette wird durch zwei Ether verlängert.
Laurylalkohol (chemisch als Dodecanol bezeichnet) besteht aus einer Kette von 12 Kohlenstoffatomen, von den das erste als Alkoholgruppe vorliegt (CH3-(CH2)10-CH2OH).

SLES ist weniger aggressiv als SLS, aber auch teurer. Meist wird daher SLS eingesetzt. [2] [3]

Richtig ist, dass SLS und SLES die Haut reizen und zu Hautirritationen führen können. Da die Kontakt- bzw. Einwirkzeit von Shampoos und Duschgels recht kurz ist, stellt das für die meisten Menschen kein Problem dar.
Wer allerdings ohnehin schon Hautprobleme hat, sollte auf Produkte ausweichen, die diese Substanzen nicht enthalten. Einige Hautprobleme können durch die Vermeidung dieser und ähnlicher Substanzen vermindert werden oder sogar verschwinden.
Bei Badezusätzen ist die Einwirkzeit zwar wesentlich länger, allerdings ist die Verdünnung auch drastisch größer (in der Badewanne!). Und wir wissen ja: „Alle Ding' sind Gift und nichts ohn' Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist.“ (Paracelsus).
Beim Verschlucken kann SLS Durchfall auslösen. Andere Laurylderivate werden auch in Produkten zur Darmentleerung eingesetzt, die rektal (durch den After) verabreicht werden (z.B. Mikroklist).

Nicht richtig ist hingegen, dass SLS und SLES Krebs auslösen. Jedenfalls gibt es keine ernst zu nehmenden wissenschaftlichen Studien, die eine kanzerogene (krebserregende) Wirkung dieser Substanzen belegen [1]. Ebenso wenig gibt es Nachweise, dass durch SLS oder SLES "Grauer Star" ausgelöst wird (wenn man es sich nicht täglich in konzentrierter Lösung in die Augen träufelt...).
Einer der möglichen Gründe, warum SLS unter Krebsverdacht geraten ist, kann der Umstand sein, dass in den 1970er Jahren teilweise Ethanolamin statt Natrium eingesetzt wurde. Dieses Ethanolaminlaurylsulfat kann (im Gegensatz zu SLS und SLES) krebserzeugende Nitrosamine als Verunreinigung enthalten. Es wird jedoch bereits seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr in Kosmetika eingesetzt. [3]

Sehr auffällig ist, dass eine große Zahl der Webseiten, die man bei Suche nach Laurylsulfat findet und die es verteufeln, zu angeblich "unabhängigen" Vertriebsagenten von angeblichen "Öko-" oder "Natur"produkten gehören [2]. Diese Produkte werden per Network-Marketing ("MLM": Multi-Level-Marketing, auch "Empfehlungs-Marketing") unters Volk gebracht. Das erklärt auch, warum die Texte weitgehend identische Formulierungen enthalten: Sie sind schlicht aus den Werbetexten der Hersteller abgeschrieben oder kopiert.

Fazit:
Natriumlaurylsulfat & Co. sind nach aktuellem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis nicht krebserregend [1]. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Substanzen völlig harmlos und ihre Verwendung in jeder Hinsicht unbedenklich wäre.

Quellen, weitere Infos:


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